Liebe Mitglieder,

seit der vergangen Mitgliederversammlung im September 2010 hat sich der Vorstand zu drei Sitzungen getroffen: im Dezember 2010, im März und im August 2011. Das klingt wenig, ist aber unter anderem dem Umstand geschuldet, dass die vier bisherigen Vorstandsmitglieder vier verschiedene Wohnorte in Sachsen und Thüringen haben. Ich versichere, dass der Vorstand dennoch in ständigem Kontakt miteinander steht. Des Weiteren sind die Vorstandsmitglieder für den Verein auf zahlreichen Veranstaltungen präsent gewesen. Als Beispiele seien genannt: die Jahrestagung der Fränkischen St. Jakobus-Gesellschaft in Ellwangen, die Pilgerherberge auf dem Evangelischen Kirchentag in Dresden, der Fachtag „Kirche und Tourismus“ in Dresden oder die Festivitäten rund um den Jakobustag im Juli in Chemnitz. Der Antrag zur Förderung unserer ehrenamtlich arbeitenden Wegbereiter im Rahmen des Programm „Wir für Sachsen“ wurde fristgerecht im Oktober eingereicht. Eine Entscheidung darüber steht noch aus, in der Summe geht es um 6.140 Euro. Die Förderung über das Programm Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) ist zu aufwendig, teilweise auch nicht möglich, da der Weg durch nicht förderfähige Gebiete verläuft. Zudem müsste die Förderung von Landkreisen oder Tourismusverbänden gestellt werden, was viel Bürokratie zur Folge hätte, den der Vorstand nicht zu leisten vermag. Der Verein beteiligt sich an der Wahl für die 1000 beliebtesten Vereine Deutschland der Direktbank Ing-Diba. Zu gewinnen gibt es 1000 Euro. Wer noch nicht abgestimmt hat, möge dies bitte umgehend auf der entsprechenden Internetseite der Ing-Diba tun. Wir brauchen jede Stimme.

Der Vorstand hat seit der letzten Mitgliederversammlung 107 Anfragen von Pilgerinteressenten beantwortet, von denen fünf per Brief kamen und 102 über das Kontaktformular im Internet. Unser Internet-Auftritt wird regelmäßig aktualisiert. Der Verein war im vergangenen Jahr Gegenstand der Berichterstattung in 24 Presseartikeln, fünf Radiobeiträgen und zwei Fernsehbeiträgen. Darüber hinaus wurden 15 Präsentationen vor Kommunalvertretern, Kirchgemeinden und anderen Institutionen gehalten. Dank der Zusammenarbeit mit der Evangelischen Erwachsenenbildung hat sich die Zusammenarbeit mit den 51 Kirchgemeinden am Weg teilweise verbessert. Das gilt auch für die Suche nach potenziellen Pilgerherbergen. Unsere Liste umfasst derzeit 73 Adressen: von Privatunterkünften über Herbergen in Kirchgemeinden bis hin zu Pensionen und Hotels. Die Mitgliederzahl des Vereins hat sich auf inzwischen 32 erhöht. Hinzu kommen neun Wegbereiter, die zwar nicht Mitglied sind, sich aber sehr um unser Projekt bemühen. Außer Staatsminister Johannes Beermann konnten wir zwei weitere Schirmherren gewinnen: den katholischen Bischof Dr. Joachim Reinelt sowie den evangelischen Landesbischof Jochen Bohl. Durch zwei Spenden der Volksbank Hof sowie des Dresdner Druck- und Verlagshauses wurde es möglich, in die Infrastruktur des Weges zu investieren. So haben wir bereits 60 Wegweiser im vorgeschriebenen Design der Sächsischen Wanderwegeverordnung produzieren lassen und an die Wegbereiter verteilt. Weitere 50 Wegweiser wurden im September in Auftrag gegeben. Die Fränkische St. Jakobus-Gesellschaft in Würzburg unterstützt uns mit Aufklebern. Die Deutsche Jakobusgesellschaft, Sektion Mitteldeutschland, hilft uns organisatorisch bei Großprojekten wie der Teilnahme am Kirchentag. Unser Mitglied Dagmar Schlegel vertritt uns regelmäßig bei den Koordinierungstreffen der mitteldeutschen Pilgerwege und sonstiger überregionaler Konferenzen. Zudem bestehen gute Kontakte zu den Machern des Oberfränkischen Jakobusweges von Hof nach Nürnberg.

Zu Verstimmungen kam es in jüngster Zeit mit den Freunden der Via Imperii, die von Leipzig über Altenburg nach Zwickau und weiter nach Hof führt. Die Freunde der Via Imperii haben inzwischen einen eigenen Verein gegründet. Die Freunde der Via Imperii nehmen für sich in Anspruch, fortan maßgebender Ansprechpartner für den Abschnitt Zwickau – Hof zu sein. Nach zähem Ringen haben wir das akzeptiert. Das heißt: Über den Abschnitt Zwickau – Hof werden wir uns auf Vorstandsebene gegenseitig abstimmen, die Frankenstraße und die Via Imperii verlaufen auf diesem Abschnitt parallel. Beide Vereine eint der Wunsch, Pilger von Sachsen und Thüringen aus auf ihren Wegen nach Santiago infrastrukturell zu begleiten.

Noch einige Anmerkungen zu infrastrukturellen Fortschritten auf dem Weg. Dank der Familie Hartig aus Coswig ist die Markierung auf der Nordvariante Königsbrück – Wilsdruff – Grumbach in Angriff genommen worden. Das Wilsdruffer Land ist bereits markiert, in Coswig haben die Markierungsarbeiten begonnen. Schritt für Schritt geht es auch bei der Variante „Vogtländischer Jakobsweg“ voran. Unermüdlich arbeitet unser Mitglied Gottfried Pester daran. Ihm ist es inzwischen gelungen, sämtliche Bürgermeister an diesem Abschnitt als Unterstützer zu gewinnen. Die Markierung läuft. So weit ist der Abschnitt Bautzen – Bischofswerda noch lange nicht. Das liegt zum einen an einem Wechsel der Wegbereiter. Der erste hat sich wegen einer schweren Erkrankung zurückgezogen, der andere, unser Mitglied Hansruedi Humm, ist innerhalb weniger Monate gleich zweimal schwer gestürzt und fiel fast ein halbes Jahr aus. Derzeit ist er dabei, die Trasse nach einem etwas historischeren Verlauf über Göda umzuplanen. Er hofft, im nächsten Jahr mit den Markierungen beginnen zu können. Relativ rückständig – im Vergleich zu anderen – ist auch der Abschnitt Bischofswerda – Ullersdorf. Allerdings wird auch dort im nächsten Jahr die Jakobsmuschel zu sehen sein. Mit Beginn des nächsten Frühjahrs beginnt die Markierungsarbeit in der Dresdner Heide. Dort hatten sich über Monate zwei rivalisierende Wanderwegewarte-Gruppen um unser Projekt gestritten; erst durch Vermittlung des Staatsbetriebs Sachsenforst konnte dieser Streit beigelegt werden. Noch schwieriger gestaltet sich die Markierung im Stadtgebiet Dresden; dort blockieren sich Umwelt- und Grünflächenamt auf der einen Seite als Befürworter des Projekts sowie Stadtplanungs- und Bauamt auf der anderen Seite als Gegner des Projekts. Die Stadt Freital will den Weg in eigener Regie ausschildern. Sie hat dazu Markierungsmaterial und Wegweiser erhalten. Offensichtlich hat sie damit aber noch nicht begonnen. Anders hingegen die Stadt Wilsdruff: Sie hat für das Projekt eigens einen Mitarbeiter beauftragt. Der hat mit dem Bauhof sogar eigene Stahlstelen für unsere Wegweiser setzen lassen, sodass von der Freitaler Stadtgrenze aus bis Grumbach der Weg markiert ist. Von Grumbach aus möchte ich nun den Stand der Dinge anhand einiger Fotos erläutern, die mir eine Pilgerin geschickt, die unseren Weg im vergangenen August gegangen ist:

Foto 1: Diese Eiche kurz vor Pohrsdorf symbolisiert die Schwierigkeiten vieler Wegbereiter. An dieser Stelle kreuzen sich die Grenzen der Städte Freital, Wilsdruff und Tharandt; die Grenzen der Dörfer Pohrsdorf und Grumbach; die Kirchgemeindegrenzen von Fördergersdorf und Wilsdruff; die Zuständigkeiten des Gästeführervereins Tharandt, des Tourismusverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und des Tourismusvereins Elbland. Hinzu kommen Wegewarte, Ortschronisten, diverse Heimatvereine. Jeder will mitreden, jeder hat eine etwas andere Ansicht. Der Abschnitt ist zwar markiert, die Eröffnung aber scheiterte bislang daran, alle Beteiligten gerecht und diplomatisch unter einen Hut zu bekommen. Nun findet ein Treffen im Januar im Haus der Stille in Grumbach statt, sodass der Abschnitt im März oder April 2012 offiziell eröffnet wird.

Foto 2: Der Abschnitt durch den Tharandter Wald ist seit Juli dieses Jahres markiert. Hinter Sachsens größtem zusammenhängenden Waldgebiet endet die Markierung. Allerdings wird der Abschnitt bis Freiberg-Kleinschirma im nächsten Jahr wohl fertig. Der Fremdenverkehrsverein Freiberg ist unserem Verein als förderndes Mitglied beigetreten.

Foto 3: Die Strecke ab Kleinschirma gehört dank des forschen und unermüdlichen Einsatzes der Chemnitzer Pilgerfreunde zu den ersten Abschnitten, die markiert sind (hier in einem Waldstück vor Oederan). Allerdings müssen hier nach diversen Pilgerberichten noch weitere Muscheln angebracht werden, da sich einige auf diesem Abschnitt ordentlich verlaufen haben. Des Weiteren ist auch die Verzahnung mit den Kommunen und Kirchgemeinden vor Ort noch nicht optimal. Ebenso fehlen potenzielle Übernachtungsmöglichkeiten.

Foto 4: Der Abschnitt gehört zweifellos zu den landschaftlichen reizvollsten Etappen. Der Weg zwischen Oederan und Chemnitz wurde bereits 2010 offiziell eröffnet und ist sehr nachgefragt. Ein Thema sind immer wieder Flyer als Info-Material für einzelne Abschnitte. Das fordert bspw. die Stadt Oederan. Die Haltung des Vorstands dazu ist: Wir stellen gern den Inhalt, aber wir können nicht Vermarktungsarbeiten der Kommunen übernehmen. Will sagen: Flyer für Touristeninformationen usw. müssen von diesen auch bezahlt werden. Über einen finanziellen Anteil daran, ließe sich reden – wenn dies die Vereinskasse hergibt.

Foto 5: Diese außergewöhnliche Wegmarkierung findet sich im Zeisigwald vor Chemnitz. Unser Wegbereiter Heinz-Werner Lehmann hat sie mit Freunden selbst geschaffen und eingesetzt. Das zeigt, mit welcher Leidenschaft auch Nicht-Mitglieder bei der Sache sind.

Foto 6: Auch der Weg durch Chemnitz ist fertig, in diesem Jahr erfolgte die Markierung bis Klaffenbach. Allerdings tun sich auch hier noch große Markierungslücken auf. Glücklicherweise ist auch der Chemnitzer Wanderwegewart Schlag von dem Projekt sehr angetan; er hat mir heute noch telefonisch versichert, die Mängel alsbald wie möglich zu beheben. Auch mit neuen Wegweisern.

Foto 7: Kaum ein Foto illustriert so gut den Unterschied zwischen Wandern und Pilgern wie dieser Abschnitt entlang der A72. Zum Wandern würde kaum jemand diesen Abschnitt auswählen. Doch noch mal ein paar Kilometer zurück. Von Klaffenbach aus bis Stollberg ist dank unserer Wegbereiter und Mitglieder, dem Ehepaar Drechsel sowie Gunter Lasch, der Weg inzwischen ebenfalls markiert. Kurz vor der Markierung steht der Abschnitt Stollberg – Reinsdorf – Zwickau. Vor allem von der Gemeinde Reinsdorf und der Stadt Zwickau erfahren wir viel Zustimmung; die Stadt Zwickau finanziert die Ausschilderung unseres Weges, den der von Norden kommenden Via Imperii sowie den Abzweig des Vogtländischen Jakobswegs aus Haushaltsmitteln. Was unseren Weg angeht, so obliegt der Abschnitt Zwickau – Reichenbach fortan der Wegbereiterin Dorothee von Roemer von den Freunden der Via Imperii. Von unserer Seite beteuern wir, dass wir von Roemer alle Informationen weitergeleitet haben, die auch unsere Wegbereiter bekommen haben.

Foto 8: Diese Informationstafel steht im Göltzschtal auf dem Abschnitt zwischen Reichenbach und Plauen. Ermöglicht hat sie das Engagement unseres Vorstandsmitglieds Christian Seltmann sowie der von unserem Projekt begeisterte Reichenbacher Oberbürgermeister. Die Grafik stammt von unserem Verein, wurde aber im Sinne der Freunde der Via Imperii leicht modifiziert: Zum einen gibt es keinen „Sächsischen Frankenweg“, zum anderen sieht es auf dieser Grafik so aus, als ende unsere Zuständigkeit in Zwickau. Ich denke aber, letztendlich ist es den Pilgern egal, wie was wo heißt – Hauptsache sie werden richtig geleitet und finden auch genügend Herbergen. Auf dem besagten Abschnitt ist das kein Problem. Apropos Tafeln: Inzwischen haben auch die Stadt Wilsdruff und die Stadt Chemnitz ihr Interesse an Informationstafeln bekundet. Der Auftrag ist an die junge Studentenfirma Geomanagement Dresden GbR gegangen, die unser Verein für solche Aufgaben favorisiert.

Foto 9: Kurz vor Plauen findet sich die Pension „Lochbauer“. Sie ist ein Beispiel dafür, dass sich der Verein auch um die Einbeziehung der lokalen Gastronomie und Hotellerie bemüht. Nicht alle Pilger wollen spartanisch übernachten und essen. Zudem eröffnet ein solches Vorgehen weitere Kontakte in die Touristikszene sowie die Akquise potenzieller Spender.

Foto 10: Hier sehen Sie eine klassische Pilgerunterkunft in der Kirchgemeinde St. Johannis in Plauen. Die Zusammenarbeit mit den Kirchen hat sich, wie schon erwähnt, dank der Kooperation mit der Evangelischen Erwachsenenbildung zusammen. Die bisherige Wegbereiter-Lücke für den Abschnitt Plauen-Burgstein wurde wieder geschlossen. Unser Mitglied Harald Reichardt hat diese Aufgabe übernommen. Die Markierung steht im nächsten Jahr an.

Foto 11: Nach Plauen geht es in das landschaftlich reizvolle Vogtland. Dort hat unser Mitglied Günter Müller bereits ganze Arbeit geleistet.

Foto 12: Unter anderem führt der Weg an der Burgstein-Ruine vorbei – ein zwar nicht-kirchlicher, aber dennoch sehr spiritueller Ort.

Foto 13: So sieht die Arbeit unserer Wegbereiter aus. Und Nachhaltigkeit erzielen sie am besten, wenn Kommunen oder Kirchgemeinden bereit sind, vor Ort mitzuarbeiten.

Foto 14: Deutsch-deutsche Geschichte streift der Pilger auf dem Kolonnenweg an der ehemaligen Grenze.

Foto 15: In diesem Jahr ist zudem der Weg durch das Hofer Stadtgebiet markiert worden.

Die nächsten zwei Jahre werden für den Fortbestand des Vereins entscheidend sein. Ziel ist es nach wie vor, den gesamten Weg bis zum Frühjahr 2013 markiert und eine entsprechende Herbergsstruktur aufgebaut zu haben. Gleichzeitig soll bis zu diesem Zeitpunkt der Pilgerführer gedruckt sein, samt der dazugehörigen Pilgerausweise. Die Vorlaufzeit für den Druck beträgt sechs bis acht Monate.Bis dahin wollen wir folgende Abschnitte offiziell eröffnen bzw. markieren: Nordvariante Coswig – Wilsdruff (Eröffnung); Vogtländischer Jakobsweg Zwickau – Oelsnitz (Eröffnung); Hauptweg Arnsdorf – Ullersdorf – Dresdner Heide (Eröffnung); Hauptweg Pesterwitz – Grumbach – Fördergersdorf (Eröffnung); Hauptweg Naundorf – Freiberg – Kleinschirma (Markierung); Hauptweg Kleinschirma – Oederan (Eröffnung); Hauptweg Chemnitz-Stadtmitte – Adorf  (Eröffnung); Hauptweg Adorf – Stollberg (Eröffnung); Hauptweg Stollberg – Zwickau (Eröffnung); Hauptweg Burgstein – Hof (Eröffnung/gemeinsam mit dem Oberfränkischen Jakobsweg). In Zwickau sollte zum Jakobustag und als Knotenpunkt zum 25. Juli (Jakobustag) etwas organisiert werden. Außerdem beginnt dort die Sektion Mitteldeutschland der St. Jakobusgesellschaft die nächstjährige Pilgersaison. Mit den anstehenden Eröffnungen wollen wir die Pressearbeit verstärken. Zudem wollen wir Gastronomie, Pension, Freizeitheime, Rüstzeitheime und Hotels stärker einbinden als bisher. Eventuell gelingt es, die DB Region (Sachsen-Franken-Magistrale) als Sponsoren und Partner zu gewinnen.

Soweit der Bericht des Vorstands. Ich danke für Eure/Ihre Aufmerksamkeit. Ulrich Wolf, Vereinsvorsitzender