Liebe Mitglieder,

kein Jahr war seit unserer Gründung im Juni 2009 so ereignisreich wie das nun ablaufende. Bevor ich in die Details einsteige, möchte ich gleich auf die weniger angenehmen Dinge zu sprechen kommen. Konkret spreche im von einem Streit im Juni. Ich darf daran erinnern, dass wir als Verein 2010 und 2011 mit Hochdruck daran gearbeitet, die Trasse Zwickau – Reichenbach – Plauen – Hof zu markieren. Für drei von vier damaligen Vorständen war klar, dass auch dieser Abschnitt unter dem Label „Sächsischer Jakobsweg“ laufen sollte. Zu unserer Überraschung hieß es dann nach nahezu kompletter Fertigstellung der Markierung sowie nach der Akquise mehrerer Wegbereiter und Unterkünfte, besagter Abschnitt falle in den Zuständigkeitsbereich der Pilgerfreunde der Via Imperii. Deren Argumentation zufolge ende der Sächsische Jakobsweg in Zwickau. Das hat für schwere Irritationen gesorgt. Wir sind ja schließlich auch nicht hingegangen und haben den Machern des Ökumenischen Pilgerwegs gesagt, der Sächsische Jakobsweg beginnt in Görlitz und nun nennen wir den auch so. Nein, wir haben die Pionierarbeit von Esther Zeiher und ihren Mitstreitern respektiert und unseren Weg deshalb in Bautzen anfangen lassen. Kurzum: Die Situation machte eine Mitgliederbefragung notwendig; die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederbefragung erschien uns zu aufwendig. Abzustimmen hatte die Mitglieder darüber, ob wir die bis dahin als Variante vorgesehene Route über Oelsnitz/Vogtland zu unserem Hauptweg machen und die bis dahin betreute Route über Reichenbach und Plauen an die Via Imperii abgeben. 24 Mitglieder stimmten dem zu, elf enthielten sich. Abgelehnt hat niemand. Natürlich hatte der Entscheid Folgen: Die vogtlänidsche Presse freute sich über den Konflikt. Pilgerfreunde – vor allem im Plauener Bereich – reagierten verständlicherweise teilweise sehr verärgert. Und wir haben (vermutlich deshalb) auch ein Mitglied verloren. An dieser Stelle danke ich all jenen Mitgliedern, die mich mit Mails und Anrufen ermuntert haben weiterzumachen. Wegen dieses unsäglichen Streits war ich ganz kurz davor, alles hinzuschmeißen.Das war es der unangenehmen Dinge.

Blicken wir nun auf das, was vorangeschritten ist. Seit der vergangenen Mitgliederversammlung hat sich der Vorstand viermal getroffen. Die Entfernungen zwischen uns sind durch die Wahl von Günther Müller noch größer geworden. Er wohnt ja quasi am Ende unseres Weges, in Köditz bei Hof. Ich versichere allen Anwesenden, dass der Vorstand trotz der ungünstigen geografischen Verhältnisse in regem  Kontakt miteinander stand und steht. Der Verein hat sich durch Vorstände sowie Mitglieder erneut offensiv präsentiert: auf dem Fachtag „Kirche und Tourismus“ in Dresden; auf der Jahresversammlung der Deutschen Jakobusgesellschaft im thüringischen Bad Heiligenstadt; in Pfarrgemeinden und Kommunen; auf dem Jakobustag in Chemnitz. Den größten Bekanntheitseffekt für uns aber hat wohl in diesem Jahr das von unserem Mitglied Dagmar Schlegel organisierte Samstagspilgern der Region Mitteldeutschland der Deutschen Jakobusgesellschaft erzielt. Jeweils jeden ersten Samstag im Monat waren von März bis Oktober zwischen 30 und 60 Pilger zwischen Bautzen und Zwickau unterwegs. Vor allem durch Spenden hat sich die Finanzlage unseres Vereins gut entwickelt. Dem Antrag zur Förderung unserer ehrenamtlich arbeitenden Wegbereiter im Rahmen des Programms „Wir für Sachsen“ wurde stattgegeben. Wir konnten gut 2.500 Euro daraus verteilen. Drastisch zugenommen haben die Anfragen zum Weg, zu Übernachtungsmöglichkeiten, zum Pilgerführer sowie zu Pilgerpässen. Waren es im vorigen Jahr im Zeitraum noch 107 Anfragen über E-Mail und Post, so haben wir in diesem Jahr bereits 847 Anfragen registriert. Inzwischen wird der Weg auch schon begangen. Deshalb sind erstmals unter den Anfragen auch gut 30 Dankesbekundungen. Unser Internet-Auftritt wird regelmäßig aktualisiert. Eben wegen der vielen Anfragen zu Übernachtungen und Pilgerführer haben wir uns entschlossen, die komplette Wegbeschreibung sowie die Übernachtungsmöglichkeiten ins Netz zu stellen. Seitdem sind die Anfragen auch zurückgegangen. Sobald der Pilgerführer fertig ist, werden wir diese Informationen wieder herausnehmen. Der Button „Der Weg“, der auf ein mehr als nur oberflächliches Interesse an unserem Internetauftritt schließen lässt, wurde bislang 15.000-mal angeklickt. Die höchste Klickrate hatte der Abschnitt Ullersdorf-Grumbach, dann folgten die Abschnitte Kleinschirma-Klaffenbach, Bautzen-Bischofswerda, Jakobsweg Vogtland, Grumbach-Kleinschirma, Klaffenbach-Stollberg, Bischofswerda-Ullersdorf, Stollberg-Zwickau und Königsbrück-Grumbach. Hinzurechnen müsste man noch die Klicks der Internetauftritte „Jakobsweg Vogtland“ sowie die der Chemnitzer Pilgerfreunde. Der Verein war im vergangenen Jahr erneut Gegenstand diverser Berichterstattungen. Soweit wir das feststellen konnten, betraf dies 46 Presseartikel, drei Radiobeiträge und einen Fernsehbeitrag im MDR-Sachsenspiegel.

Der Weg selbst ist inzwischen durchgehend mit rund 1.200 Muscheln sowie 60 Wegweisern markiert, mit Ausnahme von drei Lücken: Die erste ist das Stadtgebiet Bautzen; hierfür hat unser Mitglied Reinhild Mohles zugesagt, das bis zum Frühjahr 2013 nachzuholen. Die zweite Lücke betrifft das Innenstadtgebiet Dresden; hier haben wir aber zumindest die Zusage der Dresdner Verkehrsbetriebe, an den Straßenbahnmasten Markierungen anbringen zu dürfen. Die dritte Lücke betrifft ein Waldgebiet hinter Neuwürschnitz, das einer Privatperson gehört, die bislang auf unsere Anfragen nicht reagiert. Spezielle Pilgerunterkünfte von Privatpersonen und Kirchgemeinden gibt es inzwischen in Bautzen, Bischofswerda, Großerkmannsdorf, Ullersdorf, Dresden, Freital, Fördergersdorf, Falkenberg, Freiberg, Oederan, Euba, Chemnitz, Adorf, Jahnsdorf, Reinsdorf, Zwickau, Hirschfeld, Irfersgrün, Waldkirchen, Lengenfeld, Treuen, Oberlauterbach, Gattendorf und Hof. Auf der Variante haben wir Pilgerunterkünfte in Königsbrück, Medingen, Bärnsdorf, Moritzburg, Coswig und Wilsdruff. Die Gastgeber werden im  nächsten Jahr zu einem Herbergselterntag eingeladen. Insgesamt umfasst unsere Unterkunftsliste 82 Adressen, inklusive gewerblicher Beherbungsbetriebe. Die Mitgliederzahl des Vereins hat sich von 32 auf 36 Mitgliedern erhöht. Der Pilgerführer liegt in den Wehen, inzwischen haben wir die 17. überarbeitete Version. Seit September arbeitet eine Arbeitsgruppe, bestehend aus zwei Vereinsmitgliedern sowie drei Vertretern der Stadt Freiberg, an den Vorbereitungen unserer Eröffnung am 1./2. Juni 2013 in Freiberg.

Soweit der Bericht des Vorstands. Ich danke für die Aufmerksamkeit.Ulrich Wolf, Vereinsvorsitzender