Liebe Mitglieder,

das Jahr 2014 war für den Weg relativ ereignisarm – zumindest im Vergleich mit dem Jahr 2013, in dem wir ja die große Eröffnung feierten. Allerdings: Wir haben unser erstes Jahr hinter uns, das durch eine komplette Pilgersaison geprägt wurde. Und wir haben am heutigen Tag das erste Jahrestreffen der Freunde des Sächsischen Jakobswegs hinter uns gebracht, das 40 Personen besuchten.

Seit der vergangenen Mitgliederversammlung hat sich der Vorstand viermal getroffen. Darüber hinaus standen wir in regem Mailverkehr. Wenn wir heute nur zu Dritt hier sitzen, hat das einen traurigen Anlass: Ende September erhielten wir von unserer Schatzmeisterin die Nachricht, dass sie sich krankheitsbedingt von ihrem Amt zurückziehen wird. Unseren Verein trifft das hart, denn sie hat diese Aufgabe überaus gewissenhaft und penibel im positiven Sinn wahrgenommen. An diesem Amt hängt nicht nur die Verwaltung der Mitgliedsbeiträge, sondern auch Dinge wie Steuererklärungen, Spendenbescheinigungen, Einnahme- und Ausgabenvergleiche.

Darüber hinaus haben wir einen Krankheitsfall bei unseren Kassenprüfern. Eine weitere bisherige Stütze ist umgezogen. Er steht dem Vorstand aber immerhin noch bei der Pflege des Internetauftritts beiseite. Unsere stärkste Unterstützergruppe, die Chemnitzer Jakobspilger, mussten den schweren Autounfall eines ihrer Mitglieder verkraften, der ebenfalls eine wichtige Vereinsstütze ist. Mit anderen Worten: Wir haben ernsthafte Personalprobleme. Überhaupt hat sich im Vorstand der Eindruck verfestigt, dass der Elan aus der Eröffnung in Freiberg dahin ist. Das bezieht auf Mitglieder wie Wegbereiter gleichermaßen. So ist mit einer Ausnahme in diesem Jahr keine Initiative, keine Idee von einem Mitglied ausgegangen. Seit der Vereinsgründung 2009 ist dies heute hier die am schwächsten besuchte Mitgliederversammlung. Nicht ein Wegbereiter hat vom Zeugwart Markierungsmaterial in diesem Jahr angefordert. Sind die Markierungen wirklich alle in Ordnung?

Weiterhin bereitet uns große Bauchschmerzen, dass sich die beiden großen Kirchen zunehmend zurückziehen. Einigen Lichtblicken wie der kath. Pfarrei in Stollberg stehen mehr und mehr Absagen gegenüber. Das bezieht sich sowohl auf die Aufnahme von Pilgern wie auf das Thema geöffnete Kirchen. Auch von den Kommunen oder Landkreisen kommt nichts. Die Touristiker lassen ihre Wälder, durch die ja unser Weg zahlreiche durchstreift, ebenfalls schweigen. Kurzum: Wir vom Vorstand fühlen uns ganz schön allein. Es entspricht nicht dem Verständnis des Vorstands, Aufgaben und Ideen zu oktroyieren. Damit der Weg lebt, müssen die Initiativen von innen kommen, also von denen, die am Weg liegen und von denen, die ihn betreuen. Es ist dem Vorstand unmöglich, dies zu übernehmen: Das geht bei 309 Kilometern Pilgerweg weder logistisch noch zeitlich.

Sehr erfreulich ist, dass sich fünf neue private Familien bereit erklärt haben, Pilger aufzunehmen. Im Oktober sind zwei weitere Anfragen gekommen. Was die Unterkünfte angeht, so kristallisieren sich inzwischen schon so etwas wie besonders beliebte Anlaufstellen hinaus: die Steinmetzschule in Demitz-Thumitz, die Familie Hempel in Ullersdorf, das Pilgerzimmer der Diakonissen in Dresden, die Friedhofsunterkunft in Pesterwitz, die ev. Kirchgemeinde Fördergersdorf, die Quartiere in Freiberg, die Unterkunft von Angelika Bergmann in Chemnitz, die Herberge der Familie Peger in Jahnsdorf, die kath. Pfarrei in Stollberg, die ev. Kirchgemeinde in Reinsdorf, die Pilgerhütte von Gottfried Pester in Irfersgrün, Familie Knöfler in Lengenfeld, das Natur- und Umweltzentrum in Oberlauterbach sowie die Pilgerherberge in Hof.

Noch erfreulicher ist, dass der Weg gut angenommen wird. Inzwischen sind rund 2.500 Pilgerführer verkauft worden. Von Mai an bis Ende Oktober gingen nahezu täglich Einzahlungen für die Pilgerausweise auf unser Vereinskonto ein, teilweise verbunden mit beachtlichen Spenden. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Ausweise übertreffen inzwischen die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen deutlich. Wir haben in diesem Jahr rund 600 Ausweise verkauft. An dieser Stelle ein ausdrücklicher Dank an unsere Ausweissteller Heinz-Werner, Gunther und Gottfried. Wir schätzen, dass etwa 1.000 Pilger in diesem Jahr auf unserem Weg unterwegs waren.

Das steigende Interesse zeigt sich am Internetauftritt. In diesem Monat werden wir die Schwelle von 50.000 Besuchern überschreiten, 17.000 kamen in diesem Jahr hinzu. Besucher wohlgemerkt, nicht Klicks. Seitenaufrufe hatten wir bislang rund 122.00. Das größte Interesse stammt aus den Städten Dresden, Chemnitz, Leipzig und Berlin. Die am meisten geklickten Menübeiträge sind: Unser Weg, Pilgerführer und Pilgerausweis, Abschnitt Ullersdorf – Grumbach, Jakobsweg Vogtland, Unsere Stempelstellen, Pilgerspuren auf der Frankenstraße, Abschnitt Bautzen – Bischofswerda, Unser Verein, Abschnitt Kleinschirma – Klaffenbach, Abschnitt Grumbach – Kleinschirma. Unsere Facebook-Gruppe „Sächsischer Jakobsweg“ hat inzwischen 33 Mitglieder. Auch hier scheint kein sonderlich großes Interesse von Mitgliedern, Wegbereitern, Kommunen, Kirchen und anderem am Weg vorzuliegen, um über Facebook mehr junge Menschen zu erreichen.

Aufgrund mangelnder Ideen bzw. Ereignisse waren wir auch in der Medienöffentlichkeit relativ schwach vertreten. Allerdings steht mit dem Anschieben der ersten Pilger-Erzgebirgspyramide am 29. November ja noch eine große Sache an.

Die Mitgliederzahl des Vereins hat sich von zuletzt 39 auf jetzt 43 erhöht. Neu hinzugekommen sind ein Herr aus Bad Schlema, eine Frau aus Waldkirchen sowie ein Ehepaar aus Brand-Erbisdorf.

Ulrich Wolf, 08.11.2014